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© Tages Anzeiger, 21.05.2008

Männedorfs anderes Bauernkalendergirl
Sie hat sich beim Casting nicht im Bikini zeigen wollen. Trotzdem oder gerade deshalb hat es Ella Nina aus Männedorf als Pin-up-Girl in den erotischen Bauernkalender 2009 geschafft.
Von Lorenzo Petrò
Männedorf. - Der Kalender sei halt schon mit Erotik verbunden, das spreche sie eigentlich nicht so an, hat Ella Nina, 18-jährige Kantonsschülerin aus Männedorf, letzte Woche dem «Tages-Anzeiger» noch gesagt. Das war unmittelbar nach dem Halbfinal-Casting für den Schweizer Bauernkalender.
Ella hatte der Jury, besetzt mit Promi-Schwergewichten wie dem Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal, sogar einen Teil des Castings verweigert: «Ich wollte nicht in Unterwäsche oder im Bikini posieren», erklärt sie.
Das wird Ella nun - wohl oder übel - tun müssen. Ganz entgegen ihren Erwartungen hat sie es unter die 14 Mädchen geschafft, die 2009 in sexy Posen von den Kalenderblättern in Schweizer Ställen, Scheunen und Schlafzimmern lächeln werden.
«Stallmisten ist wie Zähneputzen»
Trotzdem freute sich Ella über das SMS, das sie gestern Nachmittag von den Herausgebern erhielt. Trotz ihrer bestimmten Haltung gegen Nacktaufnahmen haben die Verantwortlichen sie aus den 250 Bewerberinnen, die sich dieses Jahr angemeldet hatten, und aus den 40, die es zum Casting schafften, ausgewählt.
Mike Helmy, Herausgeber des Bauernkalenders und Mitglied der Jury, erklärt, warum er die Männedörflerin unbedingt dabeihaben wollte: «Ella ist eine richtige Unternehmerin, das hat uns beeindruckt. Sie steht für einen neuen Typ Bauern, den Quereinsteiger.»
Tatsächlich: Ella verdient zwar als Pächterin eines Pferde-, Geissen-, Hühner- und Schafstalls in Männedorf nicht viel, sie kann aber von den Reitstunden, die sie gibt, den Pachtzins bezahlen. Und obwohl sie ganz nebenbei noch die Kantonsschule besucht, unterscheidet sich ihre Freizeitbeschäftigung kaum von der Arbeit einer richtigen Bäuerin: «Stallmisten ist für mich wie für andere Leute das Zähneputzen», sagt Ella.
Ihre Weigerung, sich vor Jury und versammelter Presse im Bikini zu zeigen, hat Ella bei Mike Helmy und seinen Jury-Kollegen sogar noch Sympathiepunkte eingetragen. «Dass Ella sich in dieserSituation nicht ausziehen wollte, ist auch ein Zeichen ihrer Integrität», sagt derHerausgeber.
«Cognac» soll mit aufs Bild
Die Verantwortlichen haben sich mit Ella nach dem Casting besprochen, um sicher zu gehen, «dass sie weiss, wofür sie sich da beworben hat». Helmy ist überzeugt, dass Ella am Fototermin etwas mehr Haut zeigen wird. «Klar werde ich ein paar Zugeständnisse machen müssen, aber wenn es zu weit geht, dann gibt es einfach nichts», sagt Ella klipp und klar.
«Wir werden es schon auf die Reihe kriegen, dass beide zufrieden sind - Ella und der Fotograf», sagt Helmy. Claude Stahel habe ein Händchen für junge Menschen und viel Erfahrung. Dieser Meinung ist auch Ellas Mutter Lucy. Sie hatte ihrer Tochter die Teilnahme am Casting sogar vorgeschlagen und glaubt, dass ihre Tochter auch so zeigen könne, «dass es hübsche Bauernmädchen gibt in der Schweiz».
Das Shooting für den neuen Kalender soll Ende Juni über die Bühne gehen. In Männedorf wird es aber nicht stattfinden - so viel steht bereits fest. «Der Pferdestall von Ella Nina ist für unsere Bedürfnisse ein zu wenig traditioneller Bauernhof», sagt Helmy.
So wird Ella wohl mit Pony «Cognac» zum Shooting reisen müssen. Dass sie zusammen mit ihrem Pferd aufs Bild komme, hätten die Verantwortlichen eine gute Idee gefunden, sagt die junge Männedörflerin. Sie hofft, dass es klappt. «Es würde mir zusammen mit Cognac sicher mehr Spass machen», sagt sie.
www.bauernkalender.ch
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