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© Tages-Anzeiger; 10.05.2008

Wenn Bäuerinnen in der Scheune zu Models werden
40 junge Frauen beteiligten sich gestern in Seegräben am Casting für den neuen Bauern-kalender. Die einen setzten auf ihre körperlichen Reize. Andere bestachen die Jury.
Von Thomas Bacher
Seegräben. - Die bäuerliche Idylle stimmt: eine Holzscheune, Strohballen, Mistgabeln, ein Zicklein, eine Milchtanse - und dann mittendrin eine junge Frau, die im Blitzlichtgewitter posiert. Der Fotograf feuert sie an: «Schau so, mach die Beine mal da hin, lächle, und jetzt mal etwas böse.» Wenn er etwas sieht, was ihm gefällt, sagt er «nice». Nach drei, vier Minuten ist die Fotosession wieder vorbei.
Die Casting-Teilnehmerinnen geben sich grosse Mühe, die Jury zu beeindrucken. Eine hat ein ganzes Fotoalbum mit Aktfotos mitgebracht und legt dann noch mit selbst gebackenem Brot als Geschenk nach: Ein Danke aus Zopfteig. Eine Kandidatin aus Bern hat der Einfachheit halber gleich eine Präsentation über sich mitgebracht. Sie reicht Fotos von ihrer Familie, dem Hof, dem Hund, den Schweinen und dem Traktor herum, erzählt ohne Pause aus ihrem Lebenslauf und lässt die Jury nicht zu einer Frage kommen. Zugeknöpfter zeigt sie sich dann, als der Fotograf fragt, ob sie nicht mal das T-Shirt ausziehen oder ein wenig hochheben möchte. «Jetzt nicht, später», meint sie verlegen. Laut Helmy ist es nicht entscheidend, ob sich jemand beim Casting auszieht oder nicht. «Aber es zeigt, wie jemand zu seinem Körper steht - und man kann so abschätzen, bei wem es später beim richtigen Fotoshooting mehr Arbeit gibt.» Letztlich sei im Kalender ja nicht mehr Haut zu sehen als in der Badi.
Damit hat eine Teilnehmerin aus dem Baselland offensichtlich keine Probleme. «Freizügig» würde sie sich am liebsten im Bauernkalender präsentieren, sagt sie der Jury, zieht das T-Shirt aus, stopft etwas überschüssigen Bauch in die Hose und legt mit ihrem Posing los, als ob sie noch nie etwas anderes gemacht hätte. Eine Bäuerin stellt man sich landläufig eigentlich etwas anders vor. Doch auch sie ist nervös. Nachdem sich das Blitzlichgewitter verzogen hat, fragt sie ihre Mutter: «Ich hab sicher einen hochroten Kopf bekommen?» «Kein bisschen», lügt diese.
Verrucht geben sich zwei Schwestern aus dem Tessin. Sie verstehen zwar nicht, was der Fotograf von ihnen möchte, doch dann berühren sie sich rittlings auf dem Strohballen so, wie sich Schwestern üblicherweise nicht berühren. Später zeigt sich eine Kandidatin ganz schön selbstbewusst. Als sie vom Fotografen darauf aufmerksam gemacht wird, dass ihr Bauch bei einer bestimmten Pose etwas über die Hose «lampe», sagt sie nur: «Das macht mir nichts aus.» Ob sich am Schluss der Bauch in oder über der Hose bewährt, erfahren die Teilnehmerinnen in einigen Tagen. Übrigens: In zwei Wochen ist das Casting für die erste Ausgabe der «Boy-Edition» des Bauernkalenders - auch in Seegräben, aber ohne Renzo Blumenthal.
www.bauernkalender.ch
BILD CHRISTOPH KAMINSKI
250 haben sich beworben, 40 kamen zum Casting auf den Jucker-Hof. Am Schluss werden sich 13 im Kalender finden.
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