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© Schweizer Bauer; 21.06.2008
«Ich wollte immer Bauer werden»
Der 22-Jährige hat sich voll und ganz der Landwirtschaft verschrieben. Vor vier Jahren hat er seinen Betrieb übernommen.
interview:pamela fehrenbach
«Schweizer Bauer»: Bist du auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen?
Pascal Fischbacher: Nein, meine Eltern führen eine Bäckerei-Konditorei im Dorf, der dazugehörende Hof war stets verpachtet. Doch mir war schon als kleiner Junge klar, dass ich Bauer werden würde.
Wieso hast du den Hof schon mit 18 Jahren übernommen?
Als ich 16 war, wurde die Pacht aufgelöst. Da wollte ich sie bereits übernehmen. Aber das Kantonale Landwirtschaftsamt bewilligte das nicht. Für 2 Jahre wurde er dann nochmals verpachtet, bis ich mit 18 übernehmen durfte. Damit ging ein Traum in Erfüllung.
Brauchte es Mut, als noch so junger Mensch einen Hof in Eigenregie zu führen?
Eigentlich nicht. Ich wollte das ja schon immer. Schon in der Lehre zum Bäcker-Konditor habe ich mir zwei Evolèner Kühe gekauft und sie bei einem Bauern in der Nachbarschaft untergebracht. Da ging ich auch regelmässig helfen. Als ich dann die Chance bekam, den Hof zu übernehmen, gab es für mich kein Zögern. Ausserdem ist es ja auch kein grosser Hof, und meine Eltern helfen mit, wenn es besonders viel zu tun gibt oder ich mal verreisen möchte.
Wie gross ist dein Hof und was sind deine Betriebszweige?
Wie gesagt, er ist relativ klein. 8 ha, Bergzone 1, alles über 35%, also relativ steil zum Bewirtschaften. Darauf züchte ich Evolèner Kühe, halte ein paar Schafe und Legehennen.
Wie bist du auf die Idee gekommen, ausgerechnet Walliser Kühe in den Kanton St.Gallen zu «importieren»?
Die Evolèner passen vom Typ her ideal auf meinen extensiven Hof. Sie sind robust und für die steilen Weiden geeignet, und ich wollte keine Kühe, wie sie alle anderen auch haben. Ausserdem ist es eine Schweizer Rasse, und es gibt nur noch rund 350 Exemplare in der Schweiz. Da bin ich mit meinen rund 25 Stück einer der grössten Zuchtbetriebe, und inzwischen mache ich auch die Stierenaufzucht für die Genossenschaft. Es macht mir grosse Freude, mit meiner Zucht zum Erfolg der Rasse beitragen zu können. Ausserdem stimmt die Wirtschaftlichkeit. Der Fleischertrag stimmt, und gute Zuchttiere sind gefragt. Ein Inserat musste ich noch nie machen.
Was sind deine weiteren Standbeine?
Ich arbeite noch nebenbei in der Bäckerei-Konditorei meiner Eltern. Mein Hobby, die Zwergkaninchen- und Meerschweinchenzucht, ist ein kleiner, aber feiner Betriebszweig. Der direkte Kontakt mit den künftigen Tierbesitzern ist sehr bereichernd. Und ausserdem baue ich mit www.swisskost.ch einen Direktvertrieb mit Toggenburger Produkten auf. Ich dachte mir, anstatt jetzt auch noch ab Hof zu verkaufen oder die Leute irgendwie zu uns zu locken, gehen wir doch besser zusammen mit unseren Spezialitäten in die Stadt, zu den Konsumenten. In Winterthur und Zürich haben wir inzwischen Abnehmer gefunden, die unsere Produkte mit Erfolg anbieten.
Wie war die Reaktion der Kunden und der Ladenbesitzer?
Durchwegs gut. Solche Läden leben von Nischenprodukten und Spezialitäten, und die Kunden, die dort einkaufen, suchen diese. Nicht selten kaufen sie regionale Spezialitäten nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch aus Solidarität. Solche Kunden schätzen es, wenn sie wissen, was und wen sie mit ihrem Kauf unterstützen. Deshalb habe ich mich einmal an einem Samstagnachmittag mit einem Tischlein vor ein Geschäft mit unseren Spezialitäten gestellt und den Kunden die Produkte zum Probieren angeboten. Die Gespräche haben den Verkauf und auch das gegenseitige Verständnis angekurbelt…
Besteht Aufklärungsbedarf?
Oh ja, da bin ich überzeugt. Viele Leute denken heute noch, dass die Direktzahlungen einfach ein Geschenk an die Bauern sind. Sie sehen nicht, dass die Schweiz ganz anders aussehen würde, wenn die Schweizer Landwirte nicht Randgebiete und Alpen bewirtschaften und sich nicht um die Landschaftspflege kümmern würden.
War das auch der Grund für deine Teilnahme beim Mr. Heubuuch? Du bist einer der Finalisten der Mr.-Heubuuch-Wahl, welche am 12. Juli in Bad Alvaneu GR stattfindet.
Ja, genau. Ich finde die Idee eines Botschafters für die Landwirtschaft super. Jemand, der den Konsumenten und den Leuten von der Stadt als «Bauer zum Anfassen» Informationen über die Schweizer Landwirtschaft geben kann und zeigt, dass auch Bauern modern sind. Mir fällt es leicht, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und ihnen die Landwirtschaft etwas näher zu bringen. Ich habe aber kein Problem damit, wenn ein anderer Mr. Heubuuch wird. Es geht um die Sache, für die wir alle einstehen. Der Geeignetste soll gewinnen.
Zudem wirst du in der ersten Männerausgabe des Bauernkalenders erscheinen. Doch noch jugendlicher Übermut?
Das hat sich beim Casting für den Mr. Heubuuch so ergeben. Warum nicht, der Bauernkalender zeigt uns Landwirte auch mal von einer anderen Seite.
Würdest du auch bei einer Dating-Show wie dem in Kürze startenden «Bauer, …» mitmachen? ledig, sucht
(lacht) Nein, das käme für mich glaube ich weniger in Frage. Ich bin 22, da hoffe ich doch schon, dass ich meiner Frau fürs Leben auch so über den Weg laufe. Ich finde es aber grundsätzlich eine gute Sache. Wer ständig arbeitet und kaum unter die Leute geht, hat kaum Möglichkeiten, jemanden kennen zu lernen. Ausserdem bringt auch eine solche Sendung den Menschen am Bildschirm die Landwirtschaft näher.
Haben es Landwirte generell schwerer, eine Partnerin zu finden?
Ich glaube, das kann man generell nicht so sagen. Es hängt halt viel davon ab, was für eine Persönlichkeit man ist. Anstand, Umgangsformen und Kommunikation sind Dinge, die halt im zwischenmenschlichen Bereich wichtig sind. Egal in welchem Beruf man tätig ist.
Wo liegt für dich die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft?
Generell in der Professionalisierung. Man muss klar sehen. Der Beruf Landwirt ist der einzige, in welchem man in der Regel nach Abschluss der Lehre selbstständig ist. Unternehmerisches Denken und unternehmerische Fähigkeiten werden immer wichtiger. Man kann heute einfach nicht mehr den Hof übernehmen und wie zu Urgrossvaters Zeiten weitermachen. Doch genau das wird oft gemacht. «So haben wir das immer gemacht, und es ist auch gut gegangen» ist aus meiner Sicht kein optimales Rezept für die Zukunft. Noch nähere Kommunikation mit den Konsumenten scheint mir ein weiteres wichtiges Ziel zu sein. Wer weiss, wofür er Wo wäre der Tourismus, der zahlt, ist eher bereit, Mehrkosten mitzutragen. Wohlstand, der hohe Lebens- und Lebensmittelstandard ohne die Schweizer Landwirte?
Und wo siehst du die Zukunft deines Hofes?
Ou, das ist schwer zu sagen. Ein Ausbau der Direktvermarktung, etwa mit Frischfleisch zum Bestellen, wäre eine Option. Ich mache einen Schritt nach dem anderen.
www.bauernkalender.ch
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