© Basellandschaftliche Zeitung / MLZ; 17.06.2008

«Natürlichkeit kann sexy sein»

Röschenz Martina Weber aus Röschenz posiert für den erotischen Bäuerinnenkalender 2009

Mit ihrem Auftritt im Bäuerinnenkalender will die 20-jährige Martina Weber das Image des Bauernstands aufpolieren.

Barbara Nüesch

«Ich werde tauchen, auf Kamelen reiten, die Wüste entdecken!» In Martina Webers Augen liegt ein feiner Glanz, wenn sie von ihren nächsten Ferien in Ägypten träumt. Bei der 20-Jährigen muss immer etwas laufen, das Leben ist spannend und darf auch wild und waghalsig sein.

Wenn sich die Gelegenheit ergäbe, würde sie sich an ein Bungeejumping-Seil hängen und von einer Brücke springen. Doch vorerst steht bei ihr eine ganz andere Herausforderung bevor: Sie wird sich vor Fotografen halb nackt in Pose stellen für den erotischen Bäuerinnenkalender 2009.

Unzimperlich überschreitet die zierliche Martina den Weidezaun, krault einer der rund 80 Milchkühe auf dem heimischen Landwirtschaftsbetrieb in Röschenz zwischen den Ohren und posiert mitten unter den Tieren fürs bz-Foto. Sie liebt Tiere, sie liebt die Landwirtschaft und sie liebt das Landleben. Aber sie stört sich am Image, das der Landwirtschaft anhaftet: schmutzige Kleider, ungepflegte Bäuerinnen, Kuhmist an den Stiefeln.

Schönheit statt Schmutz

Vielleicht helfe der Bäuerinnenkalender, ein besseres Licht auf die Landwirtschaft zu werfen. Gemeinsam mit ihr werden 13 weitere Bauerntöchter oder Mitarbeiterinnen auf Bauernbetrieben im Kalender 2009 zeigen, dass Natur und Natürlichkeit ganz viel mit Schönheit und Erotik zu tun haben und viel weniger mit Schmutz und Gülle. «Eine Bauersfrau kann auch sexy sein», sagt Martina sehr dezidiert.

Wie sie für den Kalender posieren wird, weiss sie noch nicht. «Am liebs-ten würde ich mich mit einer Katze zeigen oder auf einer Landmaschine», überlegt sie. Es müsse sicher etwas Wildes und eher Widerspenstiges sein. Das würde ihr als Wildfang der Familie entsprechen.

Aber sie wird nicht «alles» zeigen. «Meinen Busen gibts nicht zu sehen», erklärt sie, «gewisse Bereiche gehören mir allein. Das macht doch ein erotisches Bild erst attraktiv.» Ob aus diesem Engagement fürs Posieren einmal mehr werden könnte, lässt die junge Frau auf sich zukommen.

Zurzeit steht sie in der Weiterbildung zur diplomierten Pflegefachfrau an der Höheren Fachschule. «Vielleicht werde ich mal noch Hebamme», überlegt sie. Krankenschwester war schon immer Martina Webers Traumberuf. Von den mehr als gertenschlanken Models hält sie wenig: «Das gefällt mir am Bauernkalender: Die Models müssen nicht top-schlank sein. Die Hauptsache ist eine natürliche Ausstrahlung.»

Bei Webers sind alle drei Geschwister stolz, dass ihre kleine Schwester für den Kalender posieren wird. Dass sie dabei noch für einen fortschrittlichen Bauernstand wirbt, gefällt vor allem dem Vater. Überhaupt ist für Martina Weber die Familie sehr wichtig.

In Röschenz ist es schön

Nur ungern denkt sie daran, einmal vom Hof wegzuziehen. Hier wohnen Eltern, Grosseltern, Onkel und Brüder alle nahe beieinander. «Laufen › dahin muss man zur Schule und zur Arbeit, kauft ein oder geht in die Badi. In Röschenz hingegen ist es schön», schwärmt sie. Das Strässchen, das zum Hof führt, ist holprig und von Wiesen und Feldern umgeben. Weit kann der Blick über die liebliche Hügellandschaft gleiten, friedlich grasen rundherum die Kühe. Auf den gemähten Wiesen sucht ein Kormoran sein Futter. Hier ist Landleben pur. Hier sind auch Natur, Schönheit und Ästhetik zu Hause.

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