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© Berner Rundschau / MLZ; 07.06.2008
Bauernkalender früher und heute
Ein eigentlicher Bauernkalender ist er ja nicht, der «Hinkende Bote», doch durfte er früher in fast keinem Haushalt - ob bäuerlich geprägt oder nicht - fehlen. Auch Käru kennt diese «Bratig» nur zu gut, wurde ihm doch von seinen Vorfahren eine ganze Sammlung solcher Kalender übergeben. Interessant, was teilweise darin zu lesen ist. Neben einer Liste sämtlicher gekrönter und anderweitig verzierter Häupter Europas und einer Aufzählung der «Wohlgebornen Regierenden Hohen Häupter» der «XIII Haupt-Orte und der X Zugewandten Orte der Lobl. Eydgnossschafft» ist in der Ausgabe von 1791 etwa zu lesen, dass in Langenthal am 7. Brachmonat (Juni), am 1. Herbstmonat (September) und am 29. Wintermonat (November) je ein Jahrmarkt durchgeführt wurde. Doch wie sagt der Lateiner so schön: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis - für alle, die wie Käru nicht viel von Latein verstehen: Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen. So hat sich Käru auch nicht gewundert, als er beim Aufräumen der Redaktion einen ganz anderen, wenn auch ebenfalls nicht mehr aktuellen Bauernkalender fand. Nicht gekrönte und hohe Häupter sind auf den zwölf grossformatigen Kalenderblättern abgebildet. Sondern vielmehr jugendliche Damen, die zwar zumindest teilweise durchaus den Rang einer Schönheitskönigin einnehmen könnten, aufgrund ihrer eher knappen Bekleidung aber eher in das Unterwäsche-Schaufenster von Pietro Fornara denn an einen königlichen Hof passen würden. Wie dieses Prunkstück eines zeitgenössischen Bauernkalenders in die Tägu-Redaktion gekommen ist, daran will sich von Kärus aktuellen Kollegen (überraschenderweise?) niemand erinnern. Auch ein Besitzanspruch wird nicht erhoben. Zwar könnte sich Käru durchaus vorstellen, dem Wandschmuck in der neuen Schreibstube einen Ehrenplatz zuzugestehen, doch trennt er sich nun für einen guten Zweck von dem im Tägu-Schaufenster ausgestellten Kalender. Der «Hinkende Bot» jedoch, der bleibt bei Käru.
Diese Zeitung zieht um: Ab 1. Juli sind wir an der Schulhausstrasse 2a in Langenthal zu finden. Um Platz zu schaffen, werden an dieser Stelle täglich Fundstücke aus den Redaktionsstuben vorgestellt. Die erste Person, die am Montag zwischen 14 und 16 Uhr bei uns an der Marktgasse 3 in Langenthal vorbeischaut, kann den Bauernkalender gegen eine Spende zugunsten des Langenthaler Kinderheims Schoren mit nach Hause nehmen.
www.bauernkalender.ch
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