|

© Basler Zeitung; 10.06.2008

Ein besseres Bild der Bauern
Röschenz. Martina Weber vertritt im Bauernkalender 2009 die Region
LUKAS MEILI
Dass nächstes Jahr die ganze Schweiz Martina Weber in Unterwäsche sehen wird, stört die Bauerntochter aus Röschenz nicht. Dafür aber das schlechte Image der Bauern.
Eigentlich war es nicht ihre Idee, sich für den Bauernkalender auszuziehen sondern die von ihrem Freund, sagt Martina Weber. Und dank ihm wird die ganze Schweiz nächstes Jahr die 20-jährige Bauerntochter aus Röschenz in Unterwäsche sehen. «An diesen Gedanken habe ich mich schon gewöhnt, obwohl ich am Anfang skeptisch war», sagt sie. «Jetzt bin ich stolz darauf, dass ich mich so zeigen darf.»
Aber die Erotik ist bei ihrem Bauernkalender-Auftritt nur zweitrangig: «Mein Bild ist ein politisches Statement.» Ein Statement für die Bauern und ihre Arbeit. Ob es nun um die Milch gehe, für deren Preiserhöhung die Bauern kämpfen müssten, oder um andere Themen: «Die Landwirtschaft wird zu wenig geschätzt.» Und: «Man hat ein falsches Bild von den Bauern», sagt sie. Etwa, dass sie modisch nicht auf der Höhe seien und sich wenig pflegten. «Das sind allzu häufig nur Vorurteile. Und vielleicht kann ich mit meinem Auftritt jemanden vom Gegenteil überzeugen.»
Ihr politisches Engagement für den Stand der Bauern rührt aber auch daher, dass sie wegen ihrer Herkunft aus einer Bauernfamilie in der Schule häufig gehänselt wurde, wie sie sagt. Martina Weber ist mit ihrer Familie auf einem Mehrfamilienbauernhof in Röschenz aufgewachsen, der von ihrem Vater und ihrem Onkel geführt wird.
Mittlerweile ist auch ihr ältester Bruder eingestiegen. In der Landwirtschaft habe sie als Jüngste von vier Geschwistern selber aber nie arbeiten wollen, Krankenschwester sei immer ihr Traumberuf gewesen. Auch ihre Mutter arbeitet teilzeitlich als medizinische Praxisassistentin. Ihre Lehre als Fachangestellte Gesundheit hat sie mittlerweile abgeschlossen und wenn alles glatt läuft, beendet sie nächstes Jahr die Höhere Fachschule als Pflegeassistentin.
Stolze Eltern. Ihre Eltern sind indes genauso stolz auf Martinas Auftritt im Bauernkalender wie ihr Freund. Überhaupt: «Bis jetzt habe ich noch gar keine negativen Rückmeldungen erhalten.» Auch mit aufdringlichen Männern habe sie wegen des Kalenders keine Probleme gehabt.
Dass ihre Kindheit auf dem Bauernhof nicht spurlos an ihr vorbeigegangen ist, zeigte sich auch beim Casting für den Kalender, das in Zürich stattgefunden hat. Während andere Models etwas vorgetanzt oder -gesungen haben, machte Martina Weber das, «was man als Bauerntochter ja eigentlich können muss: Ich habe einen Kuchen mitgebracht Kochen und Backen ist doch wichtiger als Singen und Tanzen».
uernkalender früher und heute
Ein eigentlicher Bauernkalender ist er ja nicht, der «Hinkende Bote», doch durfte er früher in fast keinem Haushalt - ob bäuerlich geprägt oder nicht - fehlen. Auch Käru kennt diese «Bratig» nur zu gut, wurde ihm doch von seinen Vorfahren eine ganze Sammlung solcher Kalender übergeben. Interessant, was teilweise darin zu lesen ist. Neben einer Liste sämtlicher gekrönter und anderweitig verzierter Häupter Europas und einer Aufzählung der «Wohlgebornen Regierenden Hohen Häupter» der «XIII Haupt-Orte und der X Zugewandten Orte der Lobl. Eydgnossschafft» ist in der Ausgabe von 1791 etwa zu lesen, dass in Langenthal am 7. Brachmonat (Juni), am 1. Herbstmonat (September) und am 29. Wintermonat (November) je ein Jahrmarkt durchgeführt wurde. Doch wie sagt der Lateiner so schön: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis - für alle, die wie Käru nicht viel von Latein verstehen: Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen. So hat sich Käru auch nicht gewundert, als er beim Aufräumen der Redaktion einen ganz anderen, wenn auch ebenfalls nicht mehr aktuellen Bauernkalender
www.bauernkalender.ch
|

Commandez le Calendrier paysan.
Jetzt den Kalender bestellen!
|
|